Grand Hotel Brioni in Pula - auf Marschall Tito's glamourösen Spuren.
- lux

- 18. Aug. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Jan.

Das Grand Hotel Brioni Pula wurde komplett saniert, 2022 neu eröffnet und unlängst zum besten Hotel Kroatiens gekürt. Grund genug für uns, diese außergewöhnliche Destination zu besuchen.
Geschichtsträchtige Vergangenheit
Die Frage, ob der einstige jugoslawische Staatschef Marschall Josip Broz Tito gut oder böse war und ist komplex. Die Kritiker sahen in ihm einen fiesen Despoten, seine zahlreichen Fans verehren ihn bis heute als Lichtgestalt. Fakt ist: Tito war schon zu Lebzeiten eine Legende und genoss internationales Ansehen. Der reisefreudige Lebemann unternahm rekordverdächtige 170 Staatsbesuche ins Ausland. Er war sowas wie der Hugh Hefner der Politik, liebte Autos, Motorboote, Zigarren und Spirituosen. Seine Mansion bestand aus einem Privat-Archipel, der alle 14 Brijuni-Inseln umfasste. In dieser offiziellen Sommerresidenz pflegte er den pompösen Empfang von Staatschefs, Schauspielern und Künstlern bis hin zur britischen Queen. Viele der Gäste residierten damals im direkt gegenüber gelegenen, heutigen
Als wir eintreffen, erwartet uns ein architektonisch straight geschnittener Gebäudekomplex im typischen Stil der Siebziger. Die Fassade in unverschnörkelter Ostblock-Nüchternheit, gemischt mit etwas Bauhaus und weiß-mediterranem Flair. Auf einer dem Stadtzentrum von Pula vorgelagerten Halbinsel thront das Gebäude auf einer Klippe über dem Meer, als wäre es als Kulisse für einen James Bond-Film gebaut worden. Während das Hotel von der Landseite durch einen dichten Pinienwald geschützt ist, erhebt sich die Vorderfront in Richtung des Meeres und bietet einen herrlichen Panoramablick auf den Brijuni Nationalpark. Das mondäne, doch in die Jahre gekommene Haus wurde komplett umgebaut und aufwändig modernisiert. Das ist wunderbar gelungen. Gleich beim Betreten wird man vom eleganten, ganz in Beige-, Braun- und Cremetönen gehaltenen Interieur begrüßt. Überall Kunstwerke, unter anderem große Gemälde von Robert Pauletta und eine Unmenge minimalistisch gestalteter Keramikstücke, die überall in hohen Messingregalen stehen. Eigentlich müsste das überladen wirken, dem ist aber ganz und gar nicht so. Masse wird hier zur Klasse, die Arrangements wirken einfach nur großartig. Das passt zum gesamten Stilkonzept des Hotels. Schönheit so weit das Auge reicht. Von der Lobby über die Speiseräume, die Bars und Flure bis in die Zimmer. General Manager Alex Živković, ein smarter Hamburger mit kroatischen Wurzeln, freut sich dann auch richtig, als wir über die Haptik der verchromten Schalter schwärmen, mit denen man stilvoll-royal das Licht anknipsen kann: „Ach, das ist aber schön, dass Ihnen solche Details auffallen!“ Man findet solche Ideen im ganzen Haus. Ob es die meisterhaft abgestimmten Stoffe und Farben der Textilien sind, die kleinen Illy-Espressomaschinen in den Zimmernischen oder die Optik des Wellnesscenters mit Innen- und Infinity-Außenpool, der langezogen über die Klippe auf‘s Meer ragt – geschmacklich waren hier Meister des Interior Designs am Werk. So sieht es auch der viermalige Oscar-Gewinner Scott Millan, legendärer Kino-Sounddesigner für Streifen wie „Gladiator“, „Apollo 13“ oder „The Bourne Ultimatum.“ Millan: „Es war einer der schönsten Orte, die ich je besuchen durfte“.
Istrien generell ist eine Traumdestination. Opatija mit seinen alten Villen, die Côte d‘Azur Kroatiens. Und Pula mit dem römischen Amphitheater, das sechstgrößte seiner Art. Einst Bühne für blutige Gladiatorenkämpfe, traten in der Neuzeit hier schon Superstars wie Sting, Elton John, Luciano Pavarotti und Robbie Williams auf. „Aber: warum fahren wir jetzt bitte zum Aquarium?“ fragen wir unseren PR- und Tour-Manager Olli Franke. Die Antwort ergibt sich beim Eintreffen von selbst. Das Aquarium Pula ist in einer ehrwürdigen Steinfestung aus österreichisch-ungarischer Zeit untergebracht. In dem burgartigen Gemäuer tummeln sich nun Seepferdchen, Katzenhaie und Rochen in imposant blau beleuchteten Aquarien. That’s really magic!
Imposant ist auch die Vielfalt der mediterranen Kulinarik, die Istrien zu bieten hat. Ein Geheimtipp ist das kleine Fischrestaurant „Konoba Nando“ im Küstendörfchen Trget. Nur ein paar Tische stehen im Gastraum und auf der Terrasse direkt am Hafen – so nah am Wasser, dass die frischen Fische förmlich aus dem Meer auf den Teller springen könnten. Die Einrichtung ist schlicht, das Essen fantastisch. Vom ausgelösten Lobster, serviert in Muschelschalen mit Zitronensaft über Thunfischmousse und Calamari-Salat über frische Sardinen in Öl und schwarzes Risotto bis hin zur Fischplatte mit gebratenem Wolfsbarsch, Brasse und Dorad-e. Ein Dorad-o für Liebhaber von Meeresfrüchten. Amüsante Story am Rande: Unser Guide Dario erzählt uns, dass er kürzlich eine junge Reise-Influencerin mitnahm. Sie zeigte sie sich allerdings ratlos ob der zu wenig luxuriösen Einrichtung des Lokals. Die einfachen Holztische würden sich für Instagram ja weniger eignen, da seien ihre Follower visuell anderes gewöhnt. Von der superben Speisekarte zeigte sich die Dame indes völlig unbeeindruckt. Es gab halt Fisch. Nach dieser Geschichte ist uns erneut klar: wir ziehen es weiterhin vor, „einfache“ Journalisten zu sein und keine Influencer, die ihre Scheinwelt aufbauen (müssen). Danke Dario für den grandiosen Geheimtipp!
Wer herrliches Fleisch vom Grill liebt, dem sei das im Gourmetmagazin Falstaff hoch gelobte Restaurant „Stara“ in Fažana empfohlen. Hier wird das Grillgut vor den hungrigen Augen der Gäste direkt über offenem Feuer zubereitet. Wer es urig mit Hippie-Approach mag, sollte zur „Safari Bar“ im Naturschutzpark Kamenjak an der Spitze Istriens fahren. In die Dünen führen versteckte Wege zu einem Kiosk mit Holztischen, an dem man Cevapcici mit Ajvar, gebratenen Tintenfisch, Bier und Sangria kaufen kann. Man isst romantisch mit Blick auf‘s blaue Meer, vergisst die Zeit und denkt, es sei das Jahr 1968. Eine weitere kroatische Kernkompetenz ist die Herstellung von erstklassigem Olivenöl. Vom Hersteller Chiavalon lernen wir bei der Degustation, dass richtig gutes Öl beim seitlichen Schlürfen im Gaumen leicht brennen muss. Tut es das nicht, ist die Qualität schlecht oder es stammt aus industrieller Massenproduktion. Bei und brennt es richtig, wir kaufen bunte Fläschchen als Mitbringsel für zuhause. Der Tag endet mit einem furiosen Dinner im Restaurant „Sofia“. Fine Dining im Grandhotel Brioni. Hier kann man in einem separierten Bereich neben dem Hauptrestaurant Küche auf Sterneniveau genießen wie damals schon Sophia Loren & Co. Es waren in der Tat die legendären Gäste, die das Haus einst zu einem der renommiertesten Rückzugsorte Ex-Jugoslawiens machten. In seiner Blütezeit in den wilden Siebzigern gab es von den USA nach Pula sogar Direktflüge. In den Achtzigern stiegen hier dann ABBA, Boney M und Falco ab und feierten rauschende Feste. Titos Frau Jovanka Broz residierte selbst gerne im Hotel Brioni und nutzte es als Gästehaus.
Auf seiner Privatinsel empfing Marschall Tito Hochkaräter wie Anwar el Sadat, er soff und rauchte mit Willy Brandt, Haile Selassie, Chruschtschow, Breschnew und dem Schah von Persien. Auf den meisten Fotos des sehenswerten Inselmuseums sieht man Tito ausgelassen mit Alkoholika und dicken Zigarren. Seine Gäste, darunter auch mal afrikanische Diktatoren, brachten gerne exotische Tiere als Gastgeschenke mit, die er im weiland vom legendären Carl Hagenbeck gegründeten Safaripark unterbrachte. Vom Affen bis zum Zebra, von der Giraffe bis zum Vogelstrauß. Titos Elefantenkuh Lanka lebt sogar noch heute auf der Insel. Mit dem Schiff erreicht man sie in fünfzehn Minuten, der Ausflug ist ein absolutes Must, nicht nur für Fans der Jugo-Nostalgie.
Das Grand Hotel Brioni Pula der Gruppe „Radisson Collection Hotels“ bietet 227 luxuriöse Zimmer. Der Standard entspräche eigentlich glatten „5 Sterne plus“, die es aber nicht bekam, weil die Zimmergrößen des historischen Hauses nicht dem geforderten Standard entsprechen. Erstaunlich, welchen Unsinn Bürokratie doch hervorbringen kann. Wir lieben das ganze Hotel, besonders aber dessen mondäne Restaurants und Bars, die in ihren Rezepten und Mixturen die satten Aromen der Mittelmeerregion zelebrieren. Das „Brioni Forum“, das Strandrestaurant „Brioni Lungo Mare“ und das Fine Dining „Sofia“, benannt nach Sophia Loren (91). Spätestens, wenn man den Sundowner auf der Terrasse am Meer genießt, beschließt man, wiederzukommen. Ganz sicher.
BU: Das 1000 Quadratmeter große Spa- und Wellnesscenter „Gemma di Brioni“ erstreckt sich über zwei Etagen des Hotels und bietet ein Hallenbad, Whirlpool, Saunen und Aromaprogramme.
BU: Das mediterrane Klima, die wunderschöne Küste mit vielen kleinen Buchten, die unberührte Natur und die antike Geschichte mit dem 2000 Jahre alten römischen Amphitheater machen Istrien und sein historisches Zentrum Pula zum besonderen Urlaubserlebnis.
Grand Hotel Brioni Pula, A Radisson Collection Hotel www.grandhotelbrioni.com
Fischrestaurant “Nando“, D421 14, 52224, Trget
Restaurant „Stara“, Trg Stare škole 1, 52212, Fažana
Olivenöl Manufaktur Chiavalon, www.chiavalon.hr



